Vier weiße Smartphones mit Screens von dreaimade zwischen violetten 3D-Formen

dreaimade
dreams are made to create

KI-basierter Service zur Nutzung von Träumen als Ideenquelle

Eine App, die kurz nach dem Einschlafen weckt, den Traum per Sprache aufnimmt und ihn mit KI als Bildergeschichte visualisiert.

Meine Rolle: Komplett eigenverantwortlich, von Research und Experteninterview über Konzept, Interaction- und UI-Design bis zu Prototyp und Casefilm.

Casefilm ansehen
HAWK Fakultätspreis Vorgetragen beimADC „So Future“ Day
Ausschnitt der App dreaimade
  • Kreativeträumen besonders häufig inspirierend
  • 57 %der Nächte bleiben ohne Erinnerung an einen Traum
  • 70 %der Träume greifen ein vorher gesetztes Thema auf
  • 78 %kreativer nach einem Nickerchen mit Trauminkubation als ohne Schlaf

Quellen: Experteninterview mit Prof. Dr. Michael Schredl · Schredl (2013), Träume – Unser nächtliches Kopfkino · Horowitz et al. (2023), Scientific Reports

Facts

Masterprojekt 2024
Service Design

Betreut von:
Prof. Stefan Wölwer, Vincent Timm

Methoden

Research through Design · Experteninterview · Letter to Grandma · Reverse Brainstorming · Personas · Interviews · User Journeys · Ecosystem Map · User Flow Chart · Wireframing · Lowfi- & Highfi-Prototyping · Cognitive Walkthrough · Usability-Testing · Motion Design

Tools

Figma · FigJam · Blender · After Effects · Adobe Firefly · ElevenLabs · ChatGPT · Krea AI · RunwayML · Genmo

Mit Adobe Firefly generiertes Bild: Ein Student schläft auf dem Sofa, über ihm eine holografische Ideenblase

Problem

Die kreativsten Gedanken kommen beim Einschlafen und sind am Morgen vergessen

Die befragten Designstudierenden suchen Inspiration vor allem auf Pinterest und Instagram. Originelle Ideen zu finden fällt oft schwer. Studien zeigen: Trauminkubation in der N1-Phase, dem Schlafbeginn, kann die kreative Leistung danach steigern.

Traumtagebücher wie Alchera oder die App „Träume“ dokumentieren und deuten nur. Keine App nutzt Einschlafträume als Ideenquelle.

Was erst mal nahelag

Nein zur Traumdeutung
mittels KI, weil …

Der persönliche Kontext fehlt Experteninterview

Was ein Traum bedeutet, hängt an dem, was jemand erlebt hat. Dieses Wissen hat eine KI nicht.

Gesucht ist Inspiration, keine Erklärung Interviews

Die Zielgruppe holt sich Ideen über Bilder und Moodboards. Eine Deutung bringt sie bei der Ideenfindung nicht weiter.

Deshalb nur Rückfragen und Visualisierung

Die KI in dreaimade stellt nur Rückfragen und visualisiert die Traumgeschichten. Laut Prof. Dr. Schredl kann KI durch gezielte Fragen helfen, sich besser an Träume zu erinnern.

Research

Einschlafträume sind besonders kreativ und verbinden den Traum mit dem, was vorher gedacht wurde, wodurch sie Inspiration für mögliche Ideen sein könnten.

Prof. Dr. Michael Schredl, Experteninterview

Designentscheidungen

Vom Insight zur Designentscheidung

Dafür habe ich mit Schlafforscher Prof. Dr. Michael Schredl und vier Personen aus der Zielgruppe gesprochen. Daraus habe ich die wichtigsten Designentscheidungen abgeleitet.

Interviews Offene Aufgabe ohne Thema

In den Interviews war die offene Aufgabenstellung ohne Ansatzpunkt die häufigste Hürde bei der Ideenfindung.

Thema vor dem Einschlafen

Vor dem Mittagsschlaf legen Nutzende ein Thema fest, das den Traum lenkt.

Experteninterview Wecken dem Zufall überlassen

Methode von früher: Man schlief mit einer Eisenkugel in der Hand ein. Fiel sie herunter, wachte man auf und konnte die Einschlafgedanken festhalten.

Weckung in der N1-Schlafphase

dreaimade erkennt die N1-Phase über Bewegungssensoren und weckt 1 bis 5 Minuten danach.

Experteninterview Wecken in der Nacht

Ein Wecken in der Nacht würde den erholsamen Nachtschlaf stören.

Mittagsschlaf statt Nachtschlaf

Geweckt wird beim Mittagsschlaf, nicht in der Nacht.

Experteninterview Tippen mit offenen Augen

Wer zum Tippen die Augen öffnet, verliert die Erinnerung an den Traum schnell.

Sprache statt Tippen

Der Traum wird eingesprochen, die Augen bleiben dabei zu.

Interviews Traumtagebuch als Text

Drei von vier Befragten arbeiten mit Moodboards, Pinterest war die meistgenannte Inspirationsquelle.

Bildergeschichte statt Text

Statt Inspiration anhand von Text entsteht eine Bildergeschichte als Inspirationsgrundlage.

Reverse Brainstorming in FigJam mit den Spalten Collect Ideas, Find Problem und Find Solutions
User Journey Map „Einschlafen“ mit Gain und Pain Points

Konzept

Aus Pain Points werden Anforderungen

Per Reverse Brainstorming habe ich die Idee auf Schwachstellen abgeklopft und mit User Journeys den Ablauf vom Einschlafen bis zur Reflexion durchgespielt. Daraus wurden direkt Anforderungen:

  • Nach dem Wecken ist man zu müde, um das Smartphone zu suchen → Aufnahme startet automatisch, sobald der Wecker klingelt.
  • Ein lauter Wecker reißt aus dem leichten N1-Schlaf → sanfter Weckton und ruhige Stimme.
  • Unklar, wie aus einem Traum eine Idee wird → die KI startet den Dialog mit gezielten Fragen.
  • Auf dem kleinen Display wird die Visualisierung unübersichtlich → Traumgeschichte als Video mit Zeitleiste.
  • Träume sind sehr persönlich → sie bleiben privat und werden nur geteilt, wenn man das selbst will, etwa für eine Gruppensession.
Ausschnitt aus dem User Flow Chart: vom ersten Öffnen über das Onboarding bis zur Aufnahme des Einschlaftraums

Schlafphase zu Beginn messen

Bei der Erstellung des User Flows wurde klar: Bevor dreaimade wecken kann, muss die App wissen, wie die Schlafphase gemessen wird, per Smartphone oder Smartwatch. Deshalb wird das direkt nach dem Registrieren abgefragt.

Cognitive Walkthrough per Zoom mit Michelle Bümmerstede: Low-Fi-Prototyp auf dem iPhone und Leitfragen in FigJam

Testen & verbessern

Was Tests verändert haben

Den Low-Fi-Prototyp habe ich in zwei Runden getestet: zuerst per Cognitive Walkthrough mit einer UX-Designerin von CEWE, danach in einem Usability-Test mit vier Personen aus der Zielgruppe.

Ein Onboarding, das die meisten übersprungen haben

Das wurde getestet

Im Cognitive Walkthrough merkte Michelle Bümmerstede (UX/UI bei CEWE) an, dass der Service beim ersten Login nicht erklärt, warum sich die Nutzung lohnt. Deshalb kam ein Onboarding dazu.

Das ist gescheitert

Den Hinweis „Zeig mir dreaimade“ haben die meisten der vier Testpersonen übersprungen. Das Problem war damit noch nicht gelöst.

Das wurde optimiert

Solange noch kein Traum aufgezeichnet ist, erklärt dreaimade jeden Schritt direkt dort, wo er gebraucht wird.

Micro Design System von dreaimade mit Farben, Typografie, Icons, Buttons, Inputs und Cards

UI-Design

Ein Micro Designsystem für schnelle Änderungen

Den Look habe ich zuerst über Styleframes festgelegt, eine Methode aus dem Motion Design. Darauf aufbauend entstand ein Micro Design System mit Farben, Typografie, Icons, Buttons und Cards. Änderungen aus den Tests, etwa ein Mikrofon- statt Kopfhörer-Icon oder Primary Buttons immer an derselben Stelle, ließen sich so zentral umsetzen.

Der Name verbindet dream, AI und made, das „i“ im Logo ist eine Spirale für das Zuhören.

Drei mit Adobe Firefly generierte Traumbilder aus der Visualisierung „Balls of memories“

Integration von KI

Generative KI als Werkzeug zur Traumvisualisierung

Die Traumgeschichten im Prototyp habe ich mit generativer KI simuliert: Texte mit ChatGPT, Bilder mit Adobe Firefly, Videos und Stimmen mit Tools wie RunwayML und ElevenLabs.

Das Ergebnis

So funktioniert dreaimade

  1. Thema festlegen, mit dreaimade darüber sprechen und eine Einschlafgeschichte erhalten
  2. Einschlafen und kurz nach Beginn der N1-Phase geweckt werden
  3. Traum einsprechen
  4. Von dreaimade an das Thema erinnert werden und erneut einschlafen
  5. Erneut geweckt werden und den Traum gemeinsam rekonstruieren, visualisiert als eigene Traumgeschichte
  6. Die Traumgeschichte als Inspiration für eigene Ideen nutzen
Screens der App dreaimade

dreaimade ausprobieren

Erstellt in Figma.

Prototyp ansehen

Learnings

Was ich mitnehme

Expertise einbinden

Ohne das Experteninterview gäbe es dreaimade nicht. Erst als ich das Wissen strukturiert hatte, entstand eine konkrete Idee.

Früh fremde Augen

Nach Wochen im Projekt war mir vieles selbstverständlich. Im Cognitive Walkthrough fielen Dinge auf, die ich für selbsterklärend hielt, zum Beispiel dass das Kopfhörer-Icon als Musik gelesen wurde.

Offenheit aushalten

Ich bin nur mit dem Thema Träume gestartet, ohne fertige Idee. Mit Research through Design habe ich im Wechsel recherchiert und entworfen, so ist die Idee erst beim Ausprobieren entstanden.

Deckblatt Dokumentation dreaimade

Dokumentation dreaimade

Die komplette Masterdokumentation mit Research, Interviews, Tests und Prototyp als PDF.

Dokumentation ansehen
dreaimade Visualisierung